Was für ein verrückter Tag. Es ist 0:39 Uhr und ich habe gerade die nassen Sachen aus dem Auto geholt, die wir zuvor reingepackt haben. Warum? Dazu gleich mehr.
Es fing wirklich sehr gechillt an. Nach dem Frühstück haben wir uns an den Pool gelegt und erstmal bis 13 Uhr gar nichts gemacht.
So auf 14 Uhr sind wir dann Richtung Potami Beach gleich hier um die Ecke aufgebrochen, mit dem Ziel einen wassertauglichen Untersatz zu mieten und damit um die Felsenklippe zum Filikuri Beach zu paddeln. Die Idee ist ja einfach, aber an der Umsetzung haben wir uns fast die Zähne ausgebissen. Man könnte übrigens auch zum Filikuri Beach wandern und über einen sehr steilen, fast 30m vertikalen Abstieg runterklettern. Wir sind aber net ganz so krank, zumindest wenn wir die Kinder dabei haben. Auf dem Abstieg hat es laut Medienberichten letztes Jahr einen Todesfall gegeben, also lieber die (vermeintlich) sichere Route über das Meer.
Einen Verleiher haben wir schnell gefunden. Die Frage war nur ob Kajak oder SUP. Kinder wollten SUP, Christina Kajak. Ich war mir unsicher. Da ich keinen Plan habe, ob ein Kajak sinkt, wenn es komplett voll mit Wasser ist, haben wir doch lieber ein SUP gewählt. Der Gedanke war, dass das Ding zumindest immer an der Oberfläche schwimmt, auch wenn mal ne Welle reinschwappt. Also das Ding gemietet und der Verleiher meinte noch, dass man ca. 20 Minuten braucht um dorthin zu paddeln. Kinder und ich waren auf dem SUP, ich am Rudern und die Christina ist die Strecke nebenher geschwommen. Ganz so einfach wie ich mir das vorgestellt habe war es aber nicht:
1. hatte ich wieder das miese Problem mit dem nicht vorhandenen Drybag. Also alle Sachen in eine Art Umhängerucksack gepackt und den dann um mich gehängt. Erst hinten, dann vorne. Irgendwie keinen richtigen Platz gefunden und ständig wurde er von den Welle angeschwappt.
2. SUP auf dem offenen Meer ist eine ganz andere Nummer als am Ebensfelder See oder im Main. Und zwar eine ganz ganz andere! Keine Chance im Stehen! Selbst auf Knien sehr wackelig. Anfangs wollte sich die Valentina noch ziehen lassen, aber die habe ich dann schnell aufs SUP beordert, weil das echt anstrengend war. Hatten Gegenwellen und Gegenwind! Dazu noch ständig aufpassen, dass der Umhängesack nicht nass wird...
Die Überfahrt hat auch keine 20 Minuten gedauert sondern eher Richtung ganze Stunde.
So und jetzt steigern wir uns bissla in der heutigen Dramaturgie: Die Landung war heftig: Schon mal ein SUP an nem Strand gelandet, wo 1m hohe Wellen reinpreschen? Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder frontal rein! Das wäre die bessere Alternativ, dann bekommt das SUP zwar sehr viel Speed aber landet ordentlich am Strand. Oder Variante 2: leicht schräg einfahren. Das ist die weniger gute Idee. Das SUP macht kurz einen auf Surfbrett und schmeißt dann alle Insassen per Highsider über Bord + es fällt dann im Anschluss auch noch direkt auf dich drauf. Als unerfahrener Meeres-SUP-Strang-Lander habe ich Variante 2 gewählt! Aber diesen Fehler mache ich nur einmal im Leben! Michelle wurde ordentlich abgeräumt, aber wir waren am Strand.
Jetzt zum Strand. Ich weiß garnet was so toll an dem Strand ein soll. Sieht genau so aus wie auf der anderen Seite vom Felsen von wo aus wir gestartet sind. Ich denke dass der Strand einfach aufgrund seiner Lage gehypt wird.
Dramaturgie nächste Kapitel: Ich bin mit den Kinder aus dem Strandbereich rausgepaddelt und sie wollten vom SUP ins Wasser springen. Soweit so gut. Irgendwann sind wir dann wieder Richtung Strand und die Kindern wollten schwimmen. Also gut, ich hinterher und war nur 5m weg. Auf einmal verschluckt sich Michelle an einer Welle und war total geschockt. Ich hab sie dann aufs SUP gezogen und erstmal beruhigt, aber sie hat im Nachhinein erzählt, dass sie dachte sie geht unter und dass das verschluckte Wasser sehr weh getan hat.... Ou mann ou mann....
Daraufhin wieder zurück zum Strand per SUP. Diesmal frontal und dann haben wir mehr oder weniger schon wieder zammgepackt. REICHT! Christina war zwischenzeitlich mal Schnorcheln aber mittlerweile war der Wellengang so hart, dass wirklich 2m hohe Wellen am Strand angekommen sind.
Wir haben also das SUP quer über die Strand getragen, um eine Stelle zu finden, wo wir wenigstens etwas beruhigter einsteigen konnten. Der Vorgang sieht dann so aus: Ich versuch den richtigen Moment zu wählen um das SUP über die Wellen zu schieben, dann so schnell wie möglich aufsteigen und dabei den Umhängebeutel nicht unter Wasser setzen! Das hat geklappt, dann das SUP stabilisieren und ca. 10m vom Strand entfernt warten, um nicht in die brechenden Wellen zu kommen. Christina hat dann die Kinder zum SUP begleitet und schwimmend aufgesattelt.
Dann waren wir zumindest bereit für die Rückreise. Alle 4 an Bord. Aber jetzt setzt das Meer noch einen drauf! Wellengang war mittlerweile ziemlich heftig und ordentlich Gegenwind. Ich denke wir waren keine 20 m weit gekommen, da kam ne Welle von der Seite, das SUP neigt sich stark und Christina ist abgeflogen. Halb so wild für die Christina: die Sonnenbrille blieb drauf, aber bissla schockierend für die Michelle, weil die in Fahrtrichtung rückwärts saß und den Abflug direkt gesehen hat. Uff! Die Rückfahrt kann was werden. (ich hab in Google Maps übrigens so 2km Fahrtweg per Boot abgeschätzt) Ab dem Zeitpunkt hat sich die Christina hinten ans SUP gekrallt und Heckantrieb + Stabilisator gespielt.
Dann sind wir im Schneckentempo rausgepaddelt... Also es war dermaßen Wellengang. Ich will ja nicht maßlos übertreiben, aber die Täler und Spitzen der Wellen waren locker 4 m auseinander. Unser Glück war, dass die Spitzen nie richtig überschwappten sondern einfach nur heftig rauf und runter gingen. (man könnte jetzt einen Witz mit up and down machen, aber zu dem Zeitpunkt war keine Zeit für Witze). Dadurch lag war das SUP zwar ordentlich in Bewegung aber zum Glück immer komplett mit dem Wasser in Kontakt. Ich denke wenn da einmal der Wind druntergeht, dann fliegen wir alle 4 in hohen Bogen... So sind wir also in gebürtigem Abstand zu den Felsen langsam vor uns hingepaddelt. Eine Schaukelei! Das war nicht in Worte zu fassen. Christina wollte immer noch weiter raus aufs Meer um von den Felsen wegzukommen und ich wollte eher net so weit, ein Drama.
Valentina war sauer, weil ich ihre Fragen nicht beantwortet hab während der Überfahrt. Aber ich hab sie erstens aufgrund des Winds kaum verstanden und zweitens war ich voll drauf konzentriert dass wir mit SUP nicht umkippen! Michelle fand die Situation noch beschissener und wollte sofort raus. Aber es gab kein schnelles raus! Stattdessen mussten wir uns wirklich im Schneckentempo vorwärtskämpfen. Irgendwann kam ein Kajak mit 2 Insassen vorbei. Die waren etwas Scheller als wir, aber haben genauso geschaukelt. Es gab zumindest kurzzeitig ein gutes Gefühl, dass wir nicht allein sind.
Also wennst mich fragst, absolut riskant. Das konnte man bei der Hinfahrt ja nicht wirklich ahnen. Da sah alles rosig und ruhig aus. Ich hatte sogar kurz überlegt umzukehren und am Filikuri Beach zu warten, bis sich die Wellen legen, aber da hätten wir lange warten können, denn der Wind ging bis zum Sonnenuntergang Vollgas weiter. Und die ganze Partie im Dunkeln wäre noch krasser gewesen!
Als wir um die letzte Felsklippe rumwaren, und den Strand gesehen haben, von wo wir gestartet sind, ging's etwas bergauf mit der Stimmung. Obwohl der Wellengang bis dorthin stark anhielt, sind wir jetzt nicht mehr quer zu den Wellen gefahren, sondern in Wellenrichtung zum Strand. Die Gefahr des Kenterns war damit gebannt.
Die Rückfahrt hat über ne Stunde gedauert und wir haben 3 Kreuze gemacht, als wir wieder an Land waren. Leck fett!
Der Kerl vom Verleih hat am Ende nur 2h verlangt. Ihm war wohl klar, dass das heftig war. Als ich gemeint hatte, dass das "fucking dangerous" sei, hat er stumm genickt...
Nach dem Schock sind wir Essen gegangen. Diesmal ohne Zwischenfall. Essen war super und besonders toll er war der Sonnenuntergang währenddessen. Sind dann nach dem Essen noch für einen Mojito am Strand geblieben (nachts kosten die Liegen nichts >_<) und die Kinder haben ne Stunde mit den 5 Katzenbabies gespielt die vor 1 Monat geschlüpft sind!
Aber wir sind ja noch nicht am Ende des Tages. Falls ihr euch jetzt fragt, warum ich um 0:39 Uhr die nassen Klamotten aus dem Auto hole, dann will ichs euch gerne erzählen:
Auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft hat man schon gesehen, dass es irgendeine Art rotes Licht am Himmel gibt. Erst dachten wir noch, dass ist entweder ne Disco oder sowas. Aber als wir immer näher in die Richtung fuhren war klar: Da brennts! Die rauchige Luft hat das auch noch bestätigt. Der Weg zur Unterkunft fuhr direkt dran vorbei. Keine Ahnung wie weit weg das letztendlich war, aber man konnte deutlich die Flammen erkennen. Zum Glück liegt unserer Unterkunft in der Richtung aus der der Wind kam und ca. 1 km weg vom Geschehen, aber die Rauchwolken waren heftig.
In der Unterkunft waren die Leute am schauen und diskutieren und die ersten haben ihre Autos beladen. Zumindest das haben wir dann auch gemacht. Als die ersten gesagt haben, dass sie Unterkunft verlassen, kamen wir dann auch ins Zweifeln... Mittlerweile war es schon auf den News-Seiten zu lesen, dass es sich um einen Großbrand oberhalb von Himare handelt. Da unser Hotel am Berg liegt, waren wir natürlich nochmal näher dran. Als das Auto vollgeladen war, war die Idee einfach rauszufahren und außerhalb zu warten was passiert. Das Problem ist nämlich, dass wir von dem Berg nicht direkt fliehen können sondern unten durch die Stadt müssen. Und wenn dort Chaos ausbricht, dann geht verkehrstechnisch nichts mehr! Durch diesen Ort kommst ja unter normalen Umständen schon kaum durch.
Also was jetzt rausfahren oder nicht? Zumindest hat der Wind aufgehört und ich denke das hat die Situation entspannt. Jedenfalls haben sich die Kinder dann doch hingelegt (es war so 23 Uhr) und ich bin nochmal den Berg weiter hoch um mir selbst ein Bild zu machen (also keine Angst, das Feuer war auch von oben am Berg noch ca. 1 km weit entfernt im nächsten Tal / Berg, ABER es hat ordentlich gebrannt. Ich hab ne Stunde beobachtet: in der Zeit hat sich das Feuer richtig in den Berg gefressen! zum Glück weg aus unserer Richtung. Die näheren Bereiche waren alle am abglimmen, aber überall waren rote Lichter zu sehen.
Da oben von dem Punkt wo ich geschaut hab, hat sich einiges versammelt. Andere Gäste aus anderen Hotels, paar Albaner, auch mal die Polizei (die meinte, dass wird ins Zentrum von Himare sollten). Naja letztendlich kams mir dann so vor, als zieht das Feuer weiter weg und die Bereiche in unserer Richtung sind unter Kontrolle. Deswegen bleiben wir jetzt da und hoffen dass kein Wind mehr kommt!
Was für ein Tag! Kranker Schei***








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