Dienstag, 20. August 2024

Tag 5: Ubud

 Heut startet der Tag wie es sich gehört! Während der Mann auf der faulen Haut liegt, müssen die Waschweiber ran! Oder wars andersrum?



Nachdem wir gestern ziemlich viel Ziele reingepresst haben, sollte es heute etwas entspannter zugehen. Einziges Ziel: Wassertempel Pura Tirta Empul. 17 km entfernt, das heißt wir brauchen eine Fahrgelegenheit. Wir haben noch überlegt, ob wir einen Tourfahrer buchen, weil sich auf dem Rückweg ein Stop bei den Reisterrassen anbietet, haben dann aber doch einen Versuch mit Grab gestartet. Natürlich mit einigen Hintergedanken. Also geordert, während wir die 50m zur Straße gelaufen sind. Ich konnte der Christina gerade noch das Nummernschild durchgeben, wonach wir Ausschau halten sollen, da sagt sie schon: hier kommt er! Also das waren weniger als 2 Minuten. Ist natürlich Zufall aber trotzdem Wahnsinn. Der Fahrer war die perfekte Besetzung für meinen Plan: jung, spricht gut englisch und denkt bissla mit. Kommt hier aus der Gegend und Grab- Fahrer ist sein Hauptberuf. Er hat mich dann weng aufgeklärt wie das hier so läuft: Grab gibt’s eigentlich nur in Süden Balis. Im Norden regiert noch die Taximafia. Wenn die sehen dass jemand dort als Grabfahrer Kunden befördert, kann’s schon mal Haue geben. Es wäre wohl erlaubt Kunden im Norden abzusetzen aber man darf keine einladen. Natürlich gibt’s Möglichkeiten wie man das trotzdem hinbekommt  >_<

Dann hat er noch erzählt dass 30% vom Fahrpreis einbehalten werden. Und die Preise steuert Grab zentral.

Naja am Ende der Fahrt hab ich einen Euro aufgerundet. Da ist er fast aus den Wolken gefallen. Hat sich 100 mal bedankt. Der Vorschlag auf uns zu warten und uns wieder zurückzufahren kam dann sogar von ihm. Ein feiner Kerl. 


So, Hinfahrt und Rückfahrt gebongt, dann können wir ja jetzt gemütlich starten: In dem Tempel waschen sich normalerweise die Balinesen die Seele rein und heilen sich. Allerdings haben die wohl ah gemerkt, dass die Touris auch recht schmutzige Seelen haben und bieten diesen Reinigungsservice gegen eine kleine Gebühr auch den Touristen an. Gegeben hats das schon immer, aber die letzten Jahre sind wohl extrem geworden. Wir haben es natürlich auch ausprobiert. 


Vorweg muss man aber mal sagen, dass die Balinesen insgesamt sehr sehr höflich sind. Klar fragen sie ungefragt, ob man dies oder das kaufen möchte, aber nie aufdringlich und nach einem „Nein plus kurzes Lachen/Abwinken“ lachen sie freundlich zurück (und ich glaub wirklich dass ihr Lachen dann auch ernst gemeint ist und nicht „jaja, du mich auch“). 

Übrigens sind die Kinder noch in keinem einzigen Geschäft zurechtgewiesen worden, und das obwohl sie sich schon mehr aufführen wie Kraut und Rüben als Stock im Arsch. Da wird lustig auf Klangschalen rumgehämmert oder anderswie der halbe Laden zerlegt, aber der gemeine Balinese lächelt und wir sind die, die zurechtweisen!


Erstmal bekommt jeder Besucher einen Sarong umgebunden, ohne darf man nicht rein! Drinnen organisiert man sich dann einen Badesarong und ein Schließfach. Kurz umziehen und sich dann in die Schlange der zu säubernden Seelen einreihen. 



An jeder Station wird dann ein kurzes Ritual durchgeführt (u.a. sich vom Wasserstrahl begießen lassen) und dann wird weitergepilgert. 


Frisch gereinigt wechselt man wieder zurück in den normalen Trocken-Sarong und begibt sich nach einer kurzen Tempelbesichtigung auf den Weg zum Ausgang. 



Am Ende ist es ratsam, nicht den „Exit-Schildern“ zu folgen, denn die führen alle Geheilte  unweigerlich durch ein Labyrinth aus 1000 Ramschläden, aus denen es kein Entfliehen gibt, außer die Flucht nach vorne. Gute Nerven einpacken und durch. Ja, auch wir waren dort gefangen und haben nach jeder Kurve gefragt wie lang des Gschmarri noch weitergeht. 




Unser Fahrer fands lustig dass wir da rein geraten sind. Wären wir halt ganz normal raus, wie es jeder Balinese halt so macht >_< 

Jedenfalls war das wiederum der Aufhänger für das Thema Preise. Und da hat er nochmal bestätigt dass es wirklich zwei Preise gibt: Locals und Touristen. Deswegen schreiben die Fregger ah nirgends an Preis hin: weder im kleinen Supermarkt noch an so Fressbuden…

Das sollten wir mal in Deutschland wagen, aber nun gut, die Touristen verkraften das schon. 


Den Rückweg haben wir dann so gemacht wie geplant: ich zahl ihm den Grabpreis direkt, dann hat er mehr davon weil er nix abgeben muss. Als Goody haben wir dann den gewünschten Stop an den Reisterrassen gemacht. Aber DAS ist mal wirklich Abzocke hoch 3. Ist auch von der Aufmachung her nix für uns: überall die Instagram-Fotospots mit Bali-Swing und Nestschaukel. Einmal schaukeln 18€. Ok, man bekommt dafür aber ein langes Kleid angezogen was toll im Wind weht…




Also weiter zurück nach Ubud. Mittlerweile wars 17 Uhr und der Magen knurrt. Mal wieder eher zufällig sind wir in ein wahnsinnig leckeres Lokal gestolpert und haben mega gegessen. Reisbowl mit Fisch und Sambal Matah (mega Marinade aus Chili, Zwiebeln und Zitronengras). Einfach der Hammer für 3€. 


Weil ja dann der letzte Abend in Ubud angebrochen ist, haben wir uns nochmal eine Massage gegönnt. Absichtlich wieder 30m im Hinterhof und es war wieder erstaunlich wie sehr sich die Umgebung innerhalb einiger Meter ändern kann: man hört wieder keine Geräusche mehr, außer sehr entspannende, unaufdringliche Yogaklänge. Dazu der Duft der Räucherstäbchen und man ist wieder in einer ganz anderen Welt! Es ist einfach verrückt. 

Also wer von Ubud abrät der hat Ubud meiner Meinung nach nicht verstanden. Ich denke schon dass es diese entspannten Orte auch anderswo in Bali gibt (hoffentlich haben wir sie auch auf dem Plan) aber eben nicht verbunden mit diesem krassen Kontrast. Und in all dem Lärm und der Hektik hat trotzdem jedes balinesische Geschäft die Zeit, eine kleine Opfergabe an die Eingangstür zu stellen, so, als ob außen herum die Welt stillsteht. 


Auf dem Rückweg kurz vor unserem Hotel haben wir doch tatsächlich noch einen Garküchen-Hinterhof entdeckt. Valentina hat sich gleich für die Maiskolbenvariante entschieden und ich natürlich für Mie Goreng! Und weils so geil war, hab ich noch ne zweite Portion „togo“ mitgenommen: 1,14€ (ich werd bekloppt). 





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